Interview: Kleinbild

Nun the last Band von unserer aktuellen trndtunes 3.0: Kleinbild aus Österreich.

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Bitte erzählt mal kurz die Band-History. Wie kam es zu der Band? Wie zum Bandnamen? Was hat die Band bisher erlebt/veröffentlicht/etc.?

„Kleinbild“ ist sozusagen mein Soloprojekt. Sonst verfolge ich noch 2 weitere Projekte. Zum einen „Birne Helene“ (eine experimentell angehauchte Rock-Formation) und „Tsing Tse“ (eine 2 Mann Band, die sich ganz dem elektroakustischen Aktionismus hingibt.)
Im Gegensatz zu den anderen Projekten bin ich bei „Kleinbild“ nicht auf die Interaktion mit anderen Menschen angewiesen. Das erlaubt mir, ohne Planung, auf eigene Faust und nach Lust und Laune zu arbeiten. Ich lasse mich gerne auf selbst auferlegte Dogmen ein. So entstammt das Stück „death of a clown“ einem Album (SID DOWN), das ich nur mit den Sounds des C-64 (einer der ersten Personal-Computer überhaupt) gemacht habe. Bei „Birne Helene“ kann es von der Idee bis zum Tonträger 2 Jahre dauern und somit stellt „Kleinbild“ einen sinnvollen Ausgleich für mich dar. Ich lasse bei „Kleinbild“ viel eher etwas so stehen, wie es mir im Moment gut gefällt und daraus resultiert eine beschleunigte Arbeitsweise mit schnellen Resultaten und ein hohes Maß an Flexibilität was Musikstile und Einflüsse betrifft.
Der Name „Kleinbild“ resultiert aus meiner Überlegung, dass jeder Mensch nur einen kleinen Ausschnitt der Welt oder des Kosmos wahrnehmen kann. Künstler verarbeiten diesen Ausschnitt zu Kunst, Wissenschaftler zu Wissenschaft, Tagebuchschreiber zum Tagebuch usw. Bewusst sollte einem dabei aber sein, dass man die absolute Wahrheit nicht gepachtet hat, sondern eben nur einen kleinen Teil von ihr kennt. Circa so, als ob man ein 9×13 Bild aus dem Kontext einer Landschaft und aus dem Kontext der dort stattfindenden Prozesse reißt, auf den Auslöser drückt und auf dem Foto nur ein Zerrbild der Wirklichkeit finden kann. Ja, ich denke, das ist der Grund warum ich mich Kleinbild genannt habe. Weil ich ein 9×13 Foto bin.
Veröffentlichungen: Kleinbild 1-3, SID DOWN, Noisemusik und Küchenarbeit, Zum Großen Resterlessen;

Kleinbild sind:
Kleinbild spielt alles selbst
Wie würdet Ihr Eure Musik beschreiben? Was ist das Besondere daran?

„Kleinbild“ reicht von elektronischer Musik über experimentelle Musik bis hin zum Gitarren-Song. Somit fällt eine wirkliche Beschreibung sehr schwer.

Seid Ihr ein Studioprojekt, oder kann man Euch auch mal live sehen? Wenn live: wo und wann gibts Gigs?

Für die Live-Auftritte sind grundsätzlich „Birne Helene“ und „Tsing Tse“ zuständig. Von Zeit zu Zeit lasse ich mich jedoch dazu hinreißen, alleine zu spielen. Momentan ist der Live Focus auf „Tsing Tse“ gerichtet. Da gibt es zum Beispiel am 26.3.08 eine Gelegenheit in der „Postgarage“ in Graz. Und im Herbst ist dann hoffentlich die neue Birne Helene CD „…“ (die heißt wirklich so) fertig und dann gibt’s uns auch wieder live zu sehen…

Wie seid Ihr darauf gekommen Eure Musik unter Creative Commons zu veröffentlichen?

Ich denke, das hat vor allem damit zu tun, dass ich von Euch angeschrieben wurde und nach ein klein wenig beäugen hat das für mich gepasst.

Creative Commons ist eine feine Sache, aber zum Geld verdienen für Bands nicht geeignet. Wie löst Ihr dieses Problem? Gibts CDs von Euch, die man kaufen kann?

Darüber mach ich mir eigentlich wenig Gedanken. Eine produzierte CD sollte sich auf „0“ ausgehen, damit ich nichts hineinbuttern muss. Wenn ich ein klein wenig verdiene bringt mich das auch nicht um. Hauptsächlich geht es mir aber darum, dass die Musik auch jemand anhört. Wenn einer meiner Songs nur für einen Menschen eine bestimmte Bedeutung hat oder eine Emotion auslöst, dann freue ich mich darüber! Die Kleinbild-Lieder sind eigentlich immer Gratis-Downloads. Die Birne Helene und Tsing Tse CDs verkaufen wir vorerst. Später werden aber alle unsere Lieder Allgemeingut. Nur weil wir sie gemacht haben, gehören sie uns doch nicht. Jede Art von Information (und dazu gehört meiner Meinung nach auch Musik und Literatur) sollte für die Leute frei zur Verfügung stehen! Für kommerzielle und politische Nutzug sollte es aber dennoch Regeln geben. Die private Anwendung freut mich und daher ist jegliche Art der Raubkopie meiner Stücke ausdrücklich gestattet!

Band besteht seit: 2000
Heimatland der Band: Österreich
Erscheinungsjahr: 2007
Bandhomepage: Kleinbild
Label/Netlabel: no
Welche Bedeutung haben die grossen Plattenfirmen im Zeitalter des Internet? Braucht man die überhaupt noch? Ist ein Netlabel besser? Was ist beim Netlabel besser?

Ich denke, dass im vorherrschenden Wirtschaftssystem Geld einen großen Stellenwert bei der Gestaltung von verschiedenen Projekten hat. Die Menschen sind einer dauerhaften Manipulation ausgesetzt und werden dadurch auch musikalisch sozialisiert. Die große Musikindustrie versucht meines Erachtens „Halbgötter“ zu erzeugen. Diese füllen große Stadien, verkaufen massenweise Platten und sind interessante Persönlichkeiten. Es gibt sie in der Form, wie wir sie kennen zwar nicht, aber Kunst ist eben künstlich. Das stört mich überhaupt nicht. Großteils interessiert es mich aber auch nicht besonders.
Ich mag Kunst, hinter der menschliche Gedanken sichtbar werden und diesen Aspekt vermisse ich an großen Produktionen meistens. Alles richtet sich nach den Kunden. Wenn gerade 60s Retro-Rock modern ist, dann machen wir das eben…
Ich glaube, dass die große Plattenindustrie ebenfalls das Internet nutzt und daher für Netlabels kein nennenswerter Vorteil entstehen wird. Sicher wird gerade viel gejammert auf Seiten der Plattenindustrie, aber trotzdem werden noch sehr hohe Gewinne gemacht! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass gratis auch nicht immer Erfolg bedeutet. „Was nichts kostet ist nichts wert.“ Ich denke, der entscheidende Faktor ist die Werbung. Werbung kostet Geld. Und die Netlabels haben keines…
Wo ich aber eine Chance sehe: Die Netlabels können Bereiche abdecken, die die Plattenindustrie nicht interessieren. Viel von der experimentellen Musik, die ich höre, habe ich mir aus dem Netz gesaugt. Die hätte ich sonst gar nicht besorgen können. Netlabels sollten nicht der kommerziellen Plattenindustrie den Kampf ansagen sondern einfach ihre eigene Suppe kochen. Unbeeindruckt von dem gesellschaftlichen Dogma, Geld zu verdienen und mit ihrer ganz persönlichen Färbung. Ich danke allen Netlabels, bei denen ich mich bedienen durfte für ihre wunderbare Musik!

trnd beschäftigt sich mit trends - ein Trend sind natürlich Netlabels und Musik unter Creative Commons. Was sind für Euch weitere wichtige Trends?

Trends sind meiner Meinung nach gemachte Prozesse. Heute steckst du die Hose in die Stiefel, morgen kann das schon wieder peinlich sein….etc.
Das ist mir persönlich zu blöd muss ich sagen! Warum nehmen wir nicht einen Mixer und mischen mal durch. Dann könnte sich jeder anziehen, wie er will und die Musik hören, die er will usw. Warum sampeln wir uns nicht eine Gesellschaft zusammen? Weil auch der Kapitalismus Pläne braucht. Darum werden Magier angestellt, die ihre Zaubersprüche aufsagen. „Diesen Frühling ist Neon in“, sagen sie und Hokus Pokus…Selbsterfüllende Prophezeiungen…

Was kann man in nächster Zeit von Euch erwarten? Wie sieht die Zukunft aus?

Erstmal werde ich jetzt mit meiner kleinen Tochter spielen gehen, weil die eine der normalsten Menschen ist, den ich kenne.
In fernerer Zukunft gibt es, wie schon gesagt, die Birne Helene CD, die sich mit dem menschlichen Gehirn, seiner Manipulierbarkeit und seiner Möglichkeit beschäftigt und ein Kleinbild Projekt namens „11“, das ich gemeinsam mit Fr. Kleinbild angehen werde. Warum lange suchen, wenn man so eine gute Sängerin im Haus hat. (und so eine hübsche!)

Wollt Ihr den trnd-Lesern sonst noch etwas mitteilen?

Zweifle!

Vielen Dank für das Interview :D

Diskussion

Meinungen der trnd-Partner

17.04.08 - 13:34 Uhr
von SpiderMan

Also ich finde die Aktion trndtunes echt gut, da man so auf Bands aufmerksam wird, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat…

Kleinbild rockt….

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