Second Life: das Web 3.0?
Und schon wieder Second Life: die ersten Marken haben das dreidimensionale WWW entdeckt und stecken schon mal ihre Claims ab: die amerikanische Toyota-Tocher Scion z.B. bietet virtuelle Autos, die man “virtuell pimpen” kann. Passt wunderbar zur Marke, denn auch in der analogen Realwelt ist der Scion als Auto positioniert, das man mit allerhand Zubehör an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

Der zweite Kandidat ist Adidas: für den persönlichen Avatar soll es demnächst die neusten Sneakers auch in virtueller Form geben.
Nicht nur für Marken ist Second Life eine interessante Spielwiese, man munkelt auch, dass der Händler amazon gerade daran arbeitet, sein Shopsystem an Second Life anzudocken. Das Einkaufserlebnis könnte damit vielleicht emotionaler werden. Vielleicht. Hm. Auf alle Fälle ist amazon-Scheffe Jeff Bezos in den Second Life-Betreiber Linden Lab investiert.
Und last but not least wird dieses Web 3.0 auch für kleinere Unternehmen und Dienstleister interessant. Das zeigt die Buchhaltungs- und Steuerberaterfirma KAWG&F aus Baltimore (ca. 100 Angestellte), die eine virtuelle Kanzlei plant, um echte Kunden zu beraten - und die PR-Agentur Text 100, die gerade ein virtuelles Büro eröffnet hat.
Spannende Entwicklung! Zum Einen erinnert mich dieser Run (”ich will auch dabei sein!”) an die Zeit um 1996, als jede Company mit Logo und Foto “ins Internet” wollte - zum Anderen entsteht hier vielleicht gerade das Web 3.0. Wer weiss?
Eine gute Einführung zu “Was ist Second Life denn eigentlich genau?” kann man sich bei NMC, the New Media Consortium als Quicktime Movie ansehen (danke an Notizen aus der Provinz für den Link).
[1] Bilder vom virtuellen Scion auf Flickr.
[2] Auf Youtube gibts ein Video des virtuellen Scion.
[3] Als Agentur für Scion fungiert Millions of us und für Adidas arbeitet rivers run red.
[4] Mehr zur virtuellen Steuerkanzlei bei notizen aus der provinz
[5] Businessweek über amazon und Second Life.
[6] Text 100 in Second Life.
[7] NMC Einführung in Second Life via Notizen aus der Provinz.

von 7.dos
Es sieht schon gut und sehr interessant aus. Aber wozu ? Also “Spiel” ist es zu langweilig. Also “Lebensersatz” ist die Idee einfach zu absurd - das “First Life” ist einfach viel spannender und abwechslungsreicher als diese Neuauflage. Und die Nahrungsaufnahme und andere Alltäglichkeiten kann man damit auch nicht ersetzen… Oder ich habe den Sinn einfach nicht verstanden. Die asiatischen Länder zeigen, wie gefährlich so eine starke Vertiefung in eine Sekundärwelt sein kann. Dort verhungern oder verdursten schließlich immer mehr Zocker von WoW oder Guildwars oder ähnlichen Onlinespielen… Bin mal gespannt, wann es den ersten Second Life Toten gibt
von Andy
naja ein scion is nicht grad DAS auto… und ich bin auch eher negativ gegenüber so zeug eingestellt! ich habe selber einige zeit Dark Age of Camelot gepsielt, kenn also durchaus den Reiz solcher virtueller Welten, aber wie mein vorblogger schon gesagt hat: das first life ist einfach um klassen besser! ich bleib daher lieber dem treu und beim klassischen internet…
von .rob
@Andy und 7.dos: ich glaube, man darf SL nicht als Spiel sehen, sondern als Plattform wie das Internet. Auch hier ist das echte Leben besser, trotzdem ist es praktisch, dass man bei amazon einkaufen oder bei ebay was versteigern kann. Neben der 2D Internetwelt kommt jetzt eine 3D SL-Welt hinzu. Und hier können vielleicht Aufgaben wie die Beratung vor dem Abschluss einer Versicherung besser gelöst werden als über ein Webformular im bisherigen Internet, wahrscheinlich auch besser als per Telefon. Persönlich aufkreuzen wird natürlich auch hier immer der beste Weg bleiben … evtl. halt nicht der bequemste/zeitsparendste
von Andy
jein, solang man für SL extra zahlen muss, ist es eher wie die Spiele… getuntes sims in meinen augen. und nur weil es leute gibt, die findig sind und dort geschäfte wittern, ist es nicht unbedingt besser als das klassische web und bequemer ist mit sicherheit auch weiterhin das echte leben
von 7.dos
Gerade für sowas wie Beratungen finde ich es sehr ungeeignet, da es einem vorgaukelt man habe tatsächlich einen persönlichen Kontakt mit irgendwem. Vergleichbar mit einem echten Gespräch beim Berater ist das aber keinesfalls ! Ich finde eine virtuelle 2. Welt, wenn dann, tatsächlich nur als fiktive ALTERNATIV-Welt sinnvoll und interessant. Quasi als Ort an dem ich jemand komplett anderes sein kann als ich im realen Leben bin. Was zum Teil schon durch das Internet gegeben ist. Aber wenn es dann eben um Beratungen und Verträge und dergleichen geht, dann ist ein fiktiver Charakter glaub net so toll… außer ich kann mit “Ig0rTheSl4yer” unterschreiben… Oder eher gesagt mit meiner Axt ins Formular rizten… Muahaha… Naja. Und was das mit den “Geschäften” auf sich hat raff ich auch net so recht. Amazon und eBay in 3D ? Was bringt mir das für einen Vorteil, außer, dass ich noch viel länger suchen muss, bis ich was gefunden habe ? Wer in SF ein Geschäft betreibt schmeißt meiner Ansicht nach sein Geld raus.
von oliver
@7.dos: das mit der Axt find ich gut - sollte man auch in der “echten” Welt so halten
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2nd Life ist wahrscheinlich weniger Web 3.0, als die Repräsentation puritanischer Lebensvorstellungen als Sammelstelle für Gleichgesinnte. Alle(s) so schön sauber hier. Also vielleicht Paradies 0.1 Beta für Allergiker und Kulturhygiene-Anhänger. Soweit meine Polemik dazu.
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Das Web ist ja zunächst mal eine öffentliche Infrastruktur. 2nd Life ist dagegen eine mehr oder weniger hermetische Privatveranstaltung, die relativ starr festgelegte Normen in einem eingezäunten Universum bietet. Also in etwa so viel Web irgendwas, wie World of Warcraft es auch sein könnte.
Es wird vielleicht dann richtig spannend, wenn so eine Plattform offen konzipiert sein wird, also eher ein Open-Source-Projekt, bei dem jeder SEINE Welt andocken kann, und unendlich wachsen kann - wie das so ist, im Web.
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Leben im 2nd Life 3.0: Man öffnet als Avatar in seinem virtuellen Arbeitszimmer seinen simulierten Laptop mit einer Browser-Emulation, über die man über 2nd Google nach Angeboten im 2nd Life Land suchen kann, bucht bei Lufthansa einen Flug nach Chaka-Chaka City, steht am nächsten Tag in seinem echten traurigen Leben übernächtigt auf, fährt zum Flughafen, und wundert sich, dass der Flug LH 719 nach Chaka-Chaka-City nicht nur nicht abfliegt, sondern das Personal auch noch behauptet, eine solche Stadt existiere üerhaupt nicht.
von .rob
> vielleicht dann richtig spannend, wenn so eine
> Plattform offen konzipiert sein wird, also eher
> ein Open-Source-Projekt, bei dem jeder SEINE
> Welt andocken kann
aber so is es doch eigentlich, oder? Jeder kann rein und sein Haus, bzw. seine Welt bauen.
von markus.breuer
@Andy
> 2nd Life ist wahrscheinlich weniger Web 3.0,
> als die Repräsentation puritanischer
> Lebensvorstellungen als Sammelstelle für
> Gleichgesinnte. Alle(s) so schön sauber hier.
> Also vielleicht Paradies 0.1 Beta für
> Allergiker und Kulturhygiene-Anhänger.
> Soweit meine Polemik dazu.
Polemik ist was wunderschönes, um ein Argument klar herauszubringen. Ein paar Fakten zum Absichern der Argumente dürfen aber nie unterschätzt werden.
Von allen Online-Plattformen (mit Ausnahme Sociolotron vielleicht) ist Second Life vermutlich die am wenigsten hygienische/puritanische. Es ist ein weitverbreitetes Vorurteil, dass Amis immer alles schön clean spülen. Stimmt manchmal. Stimmt manchmal aber nicht. 60-70%% von Second Life sehen aus wie ein Trailer Park in Arizona und das, was diese Plattform zumindest für einige Brands so schwierig macht ist die große Bedeutung “alternativer Lifestyles” von political correct Gay/Lesbian communities bis harter BDSM Szene.
> Es wird vielleicht dann richtig spannend,
> wenn so eine Plattform offen konzipiert sein
> wird, also eher ein Open-Source-Projekt,
> bei dem jeder SEINE Welt andocken kann,
> und unendlich wachsen kann - wie das so ist,
> im Web.
Exakt so funktioniert Second Life.
Step #1: Anmelden und Client downloaden (kostenfrei)
Step #2: Rum”surfen” und “chatten” (kostenfrei)
Step #3: Serverspace mieten und die eigene “Homepage” bauen
Step #4: Ganzen Server mieten und mehr oder weniger machen was man will
Zugegeben: das Ganze ist nicht “Open Source” und deshalb ist “Step 5: Server kaufen und einfach anstöpseln” (noch) nicht möglich. Ansonsten ist alles aber sehr offen - erschreckend offen, wie andere finden
Es ist erklärte Policy von Linden Lab (zumindest Teile von) Second Life in den Open Source Bereich zu trage. Wie jeder weiß, der solche Projekte schon einmal näher betrachtet hat, ist das ein Höllenjob. Ein großes Reverse-Engineering-Projekt läuft aber schon (mit dem Segen von Linden Lab).
von Andy
nix für ungut, aber ich hab sowas nie geschrieben?
von markus.breuer
sorry, war oliver
ich nehme nicht an, dass man alte beiträge editieren kann?
von .rob
nee, alte Einträge lassen sich leider nicht editieren. BTW: die Open Source Ambitionen von Linden Lab find ich sehr spannend! Und eigentlich sollte es ja schon lange mal ein trnd hq in SL geben
von markus.breuer
Hmmm … jo, eine Niderlassung in Second Life würde sicherlich zu eurem Anspruch passen.