Konvergenz und Web 2.0.

Seit Jahren liest man immer wieder: “Fernseher und Computer wachsen zusammen”, bzw. “der Fernseher im Wohnzimmer übernimmt auch klassische PC-Funktionen wie eMails lesen, im Web surfen, online einkaufen”. In der Industrie läuft diese Vorhersage unter dem Zauberwort “Konvergenz” - TV und Computer sollen zusammenwachsen.

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Heute nachmittag ist mir aufgefallen, dass sich Web 2.0 mit der klassischen Konvergenz-Denke nur wenig verträgt. Und zwar:

Das Web 1.0 war ein relativ passives Lese-Web (read only). Wir haben Web-Seiten angeschaut, uns informiert, online Flash-Gezappel bewundert und online eingekauft.

In dieser Zeit entstand auch die Konvergenz-Idee: Websites kann man nämlich auch auf dem Fernsehgerät anschauen, Bücher über den online angebundenen Fernseher kaufen. Das ist praktischer als via PC, weil man dabei bequem im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzt. Die Mediennutzung ist dabei analog zum TV: man sitzt, schaut und trinkt ein Bier.

Mittlerweile sind wir bei Web 2.0 angelangt. Den Begriff Web 2.0 kann man mögen, oder nicht … mir geht es auch gar nicht um den Begriff (irgendwie müssen wir das Kind ja nennen), sondern um die Idee dahinter: das aktive Produktions-Web (read-write).

Plötzlich konsumiert man Websites nicht mehr nur als passiver Betrachter, man wird selbst zum Produzenten oder Co-Produzenten. So schreibt man vielleicht Texte (Wikipedia, QYPE), produziert Videos (YouTube), oder eröffnet einen eigenen Radiosender (Podcasting).

Und genau hier liegt der Unterschied. Während Web 1.0 ein langweiliges Sofa-Web war, ist Web 2.0 ein aufregendes Werkstatt-Web. Statt Fernseher, Sofa und Bier brauche ich jetzt Computer, Schreibtisch und Red Bull. Eine Konvergenz zum Fernseher ist damit nicht mehr denkbar. Wer würde schon gerne auf seinem Fernseher Wikipedia-Texte schreiben?

Diskussion

Meinungen der trnd-Partner

22.06.06 - 9:47 Uhr
von guerilla

Dreh deine Richtung mal von Web->TV nach TV->Web um… dann kommts eher hin, mit der Konvergenz. Bedenke ausserdem die Media-Center-PCs..

22.06.06 - 11:14 Uhr
von 7.dos

Ich kann auch während ich was bei Wikipedia oder QYPE schreibe ein Bier trinken :D
Ich finde den Begriff Web2.0 und das Trara drum herum eigentlich schwachsinnig. Was hat sich denn verändert ? Ich kann Internetseiten mitgestalten und mich einbringen ? Seit je her kann man seine eigene Internetseite online stellen, sich in Foren und Communitys beteiligen und somit seine Meinung kund tun oder das Bild der Seite verändern (Gab es da mal nicht so nen Spruch wie “Eine Community ist immer nur so gut wie ihre Mitglieder” - das sagt ya schon alles). Youtube und Googlevid ? Sind im Grunde auch nichts anderes als Foren, nur mit einem anderen Mechanismus und dass man anstatt Texten Videos posten kann.
Im Grunde verbringe ich immernoch bald 90 % mit Lesen, wenn ich mich im Internet bewege und das wird sich auch nicht so bald ändern. Ich kann meine Meinung sagen : Wow. Wenn die Meinung aber nicht in bestimmte Regeln passt (allein schon rechtlich) wird sie oftmals von den Betreibern gelöscht. Also entweder wird meine Meinung zur Kenntnis genommen, da interessant, ignoriert, da unwichtig oder gelöscht, da unerwünscht. Den selben Effekt konnte ich seit je her auch mit Emails oder noch früher mit normalen und Leserbriefen oder Anrufen beim jeweiligen TV-Sender oder der Zeitung oder Zeitschrift erzielen. Was habe ich also durch das Web2.0 hinzugewonnen - im Grunde nichts außer die Chance auf einen größeren Viewerpool zuzugreifen (z.B. YouTube oder ähnliches). Die Communities sind also größer geworden bzw. haben sich einige Internetseiten mit einem multimedialeren Content als nur Text einfach etabliert, wobei Forencommunities wahrscheinlich immernoch die klare Oberhand haben was Umfang und Anzahl anbelangt.
Und ob ich mir das ganze nun am Fernseher oder am PC anschaue ist doch im Endeffekt egal. Vielleicht kommt ein gewiefter Druckerpatronenhersteller mal auf die Idee das Printmedium wieder zu beleben und seine Internetseiten nur durch einen Ausdruck lesbar zu machen - natürlich durch billige Patronen gesponsort. Falls man eine Antwort schreiben will druckt man sich den Text aus und schickt ihn wieder an den Betreiber, der ihn dann einstellt. Das wäre dann mal wirklich Convergent, oder nicht ? :D

22.06.06 - 14:13 Uhr
von .rob

@guerilla: ja, klar. Bewegtbild kommt nach und nach auf den PC. Da gibt es massive Annäherung. Aber es ist nicht so, dass eines der beiden Geräte (TV/Computer) demnächst massiv an Markt verlieren wird.
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@7.dos: ich glaub schon, dass sich zur Zeit was ändert. Vor ein paar Jahren hätte niemand gedacht, dass man sich mal auf ein Lexikon (wikipedia) verlassen kann, das von Privatleuten geschrieben wird. Auch trnd ist ein gutes Beispiel dass sich was ändert ;-) Und auch ein gutes Beispiel, dass viele Marken, bei denen wir präsentieren, noch nicht verstanden haben, dass sich was ändert … deshalb buchen sie dann doch wieder nur TV-Spots ;-)

22.06.06 - 16:24 Uhr
von guerilla

Was ich übrigens noch erwähnenswert finde, ist die gigantische Strom-, Speicher-, Bandweiten- und damit Umweltlast, die speziell durch Web2.0 erzeugt wird…

22.06.06 - 18:36 Uhr
von Flirty

Ich finde die Idee, die PC-Funktionen an den Fernseher eh mal von Grund auf dumm… wieso dutzende Funktionen zu einer bringen? Da bring ich doch lieber die eine Funktion - Fernsehen - zu den ganzen Anderen. Das gibts ja auch schon länger -> TV Karten.

Und wer sagt, er will aber trotzdem im Wohnzimmer TVn und da alles machen, soll sich en Barebone o.Ä. kaufen und da dran mittels Video-Out nen Fernseher zum TVn anschließen…

22.06.06 - 21:09 Uhr
von guerilla

@flirty: siehe den ersten Kommentar…

24.06.06 - 13:38 Uhr
von mombi

interessant an dem ganzen ist auch der unterschied zwischen entspanenden sachen, bei denen man noch aktiv etwas tut, also computer/internet und dort texte lesen und schreiben, usw. dazu dann im gegensatz die passive entspannung beim fernseher wo man nur noch guckt und hört.
ich denke aber nicht, dass der fernseher bald vom pc abgelöst wird. gibt immer wieder leute, die auch ihre dvds am pc gucken, aber viele wollen das auch auf großem bildschirm am sofa genießen.
vielleicht so alltags-fernsehen auch am pc und richtig filme genießen dann in so heimkinoanlagen?

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