Happy Birthday, UMTS, nicht?

Am 17.8. diesen Jahres feierte UMTS still und leise seinen fünften Geburtstag. Im August 2000 - so lang ist es her - gewannen sechs Mobilfunkanbieter das Privileg, jeweils acht Milliarden Euro an den Bund zu überweisen. Zeit für einen kleinen Statuscheck.

UMTS

Dafür wurden blühende, äh, funkende Landschaften und eine schöne neue Kommunikationswelt versprochen. Bis heute haben sich Quam und MobilCom gänzlich verabschiedet und der verbliebene Rest ist weit von der erhofften kritischen Masse entfernt. Vodafone als der größte Anbieter zählt gerade einmal 500.000 UMTS-Verträge, hat also umgerechnet €16.000 für jeden Kunden bezahlt. Ohne Infrastrukturkosten.

Probleme gibt es genug: der ARPU (Average Revenue Per User, also Durchschnittseinnahmen pro Kunden) zeigt nach unten, denn die richtig affinen Mobiltelefonierer sind schon längst dabei. Zudem erfreut sich GSM bester Gesundheit. Warum nicht? Immerhin nutzen 83% der Kunden ihr Handy ausschliesslich für Telefonate und SMS (wenn ich jetzt nur den Link finden könnte wo ich das gelesen habe), brauchen also keine Nutzergruppenklingeltonzuordnung. Eine der beliebtesten Funktionen ist der Wecker.

Das größte Manko haben die Mobilfunkanbieter jedoch sich selbst zuzuschreiben: Sie versteifen sich in ihr Marketing auf technische Features wie Videotelefonie, die allerdings nur sinnvoll ist wenn eine kritische Masse an Nutzern und deren Freunden, die die gleiche Technologie nutzen, vorhanden ist. Hinzu kommt, dass die Geräte recht Fehleranfällig sind, miese Batterielaufzeiten haben und UMTS auch nicht überall verfügbar ist.

Schliesslich muss sich UMTS auch gegen einen anderen Angriff wehren: WLAN, WiMax und Konsorten, mit denen VoIP (telefonieren über das Internet) möglich ist. Diejenigen, die deshalb den Untergang von UMTS prophezeihen mögen etwas geblendet sein, allerdings wird dadurch sicherlich einiges an potenziellen Einnahmen verloren gehen.

Und nicht vergessen: UMTS liefert im optimalen Falle 384kbit/s. Per DSL gibt’s schon 6mbit/s für Zuhause (deshalb das Foto oben). Wer sich an das Arbeiten oder Spielen mit DSL und seinen realistischen 1-2mbit/s gewöhnt hat, wird dem Mobilfunk für diese Nutzung wenig abgewöhnen können. Ach, und letzteres ist auch viel zu teuer.

Aber nun genug Schwarzmalerei :) Es ging ja auch nur um eine Bestandsaufnahme. Und wo geht’s hin? Es gibt eine Fülle von tollen und interessanten Anwendungen, die den Mobilfunk richtig interessant werden lassen. Jenseits von e- oder mCommerce gibt’s klasse LBS (Location Based Services), Zugang zu zeitkritischen Informationen (News, Sport, etc.) auf die man sich freuen kann. Aber das alles in einem späteren Post.

Diskussion

Meinungen der trnd-Partner

28.09.05 - 19:28 Uhr
von .rob

> Eine der beliebtesten Funktionen ist der Wecker.

:D

29.09.05 - 7:53 Uhr
von tkathke

Moment. 83 % der Leute benutzen ihr Handy nur dafür, wofür es ursprünglich mal gedacht war?

Ich bin entsetzt!

;)

26.10.05 - 13:45 Uhr
Trackback von trndblog » Blog Archive » Social UMTS.

[...] cial UMTS. Na endlich, es geht also doch! Erst vor Kurzem hier bei trnd über den Mangel an Fantasie berichtet, den die UMTS-Mobilfunkbetreibe [...]

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