Politisch, Viral, Unüberlegt.
Die CSU möchte sich die aktuellen “best-of”- Möglichkeiten des Web und der Mobiltelefonie zunutze machen und eine Kampagne durchführen, in der 300,000 Mails und einige tausend Voicemails verschickt werden sollen, in denen eine Aufforderung von Edmund Stoiber zu hören ist, man möge wählen gehen.
Klar, dass die Blogosphäre bzw. die Medien gereizt reagieren ob solch zweifelhafter Methoden. Wir wollen hier auch nicht politisieren, nicht das Thema “Spam” aufgreifen (das gibt’s hier) oder gar die Datenschutzbedenken bzw. den rechtlichen Aspekt einer solchen Aktion diskutieren. Es geht auch nicht um die dadurch ausgelöste (negative) Reaktion der angestrebten Zielkundschaft, also der Onliner.

Uns geht es um die gewählten Mechanismen der Handy-Aktion, die folgendermassen beschrieben wird:
Edmund Stoiber ruft bei den Bürgern auf dem Handy an und ermutigt sie, zur Wahl zu gehen. Der Wahlaufruf des CSU-Vorsitzenden ist eine “VoiceCard“, die sich in einer Art Schneeballeffekt sehr schnell verbreitet. Innerhalb von nur drei Tagen soll die mobile Überraschungswelle des CSU-Chefs mehrere hunderttausend Wähler erreichen.
Die Aktion soll so ablaufen:
- 1.000 “ausgewählte” CSU-Mitglieder erhalten eine VoiceCard (sprich: Anruf) mit einer Aufzeichnung von Edmund Stoiber, der sie auffordert am Sonntag wählen zu gehen (die CSU, vermutlich)
- Die Angerufenen können nun die Telefonnummern von Freunden und Bekannten einschicken, die dann ihrerseits den Stoiber-Anruf erhalten
- Wird der Anruf nicht angenommen, probiert das System es noch ein Paar mal. Wenn die Mailbox rangeht, wird die Nachricht in voller Länge aufgesprochen
Tja, und das System übersieht leider ein ganz fundamentales Problem: Die Weitergabe von “privaten” Kontakten, also die Telefonnummern von nahe stehenden Personen an Unbekannten. Ich würde das niemals tun. Würdest Du das tun? Handys sind Bestandteile der Intimsphäre. Ich gebe meine Nummer nur an Personen, denen ich vertraue. Ich würde doch niemals die Nummer von Dritten (Freunde dazu!) an Vierte ausgeben. Würde das jemand mit meiner Nummer machen, gäb’s Ärger.
Ich stelle mir vor, das Handy klingelt und Edmund (oder Klementine, oder Tony der Tiger oder wer auch immer) spricht zu mir. Wäre ich froh? Wäre ich dankbar?
Dann: woher soll ich wissen, dass die Handynummer auch nur für diese einmalige Aktion genutzt wird? Was ist, wenn meine Freunde dann schön regelmässig VoiceCard-Anrufe mit Sonderabos für den BayernKurier (oder Focus, oder Geo oder was auch immer) bekämen? Würden sie mich dafür lieben?
Ich wüsste auch gern ob das System auch den “Petzer” nennt. Wer hat meine Nummer weitergegeben?
Schliesslich hoffe ich sehr, dass die Hemmungen der Handynutzer doch überwiegen. Und wenn eine Drittnummer weitergegeben wird, dann nur von mit-Parteimitgliedern die sich über einen (wenn auch unpersönlichen) Anruf von Herrn Stoiber freuen. Neue Wählerschichten werden damit auch ganz sicher nicht erschlossen.

von cnmuc
Es handelt sich einfach um eine sehr dumme Aktion. Entweder es werden Nummern von Leuten weitergegeben, die der CSU nahe stehen –> Dann war es unnötig oder es werden Leute angerufen, die die CSU nicht wählen –> Die angerufenen Ärgern sich über die Belästigung.
In einer Zeit, in der Privatleute schon die Telefonnummer wechseln, damit sie nicht mehr von Vericherungsmaklern und Lotteriedrückern belästigt werden, da sollte man so was nicht tun!
von Blackpriester
Extrem albern!
von 7.dos
Lol. Der Edi hat sich da aber was tolles einfallen lassen. Hätte mich da einer Angerufen wäre er die längste Zeit mein Freund gewesen. CSU wählen (in Ba-Wü eh nicht möglich, aber CDU halt) - geht’s noch ? —> Fred